URL: www.caritaslimburg.caritas.de/aktuelles/presse/arbeitsmigration-koennte-weiterhelfen-d5581ecb-6750-41e2-b268-9471e7ab6da8
Stand: 17.11.2017

Pressemitteilung

Arbeitsmigration könnte weiterhelfen

Frau steht vor Zuhörern und gestikuliert.Hilke Folkers gab einen ganz persönlichen Einblick in die Lebensrealität der Roma im Westbalkan.Foto: V. Klum

Hilke Folkers, die sich seit Jahrzehnten in der Flüchtlingshilfe engagiert, hatte 2015 und 2018 Reisen durch Serbien, Mazedonien und den Kosovo unternommen. Dort besuchte sie Menschen, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Flüchtlingshilfe Mittelhessen kennen gelernt hatte. Die Roma-Familien waren in den vergangenen Jahren nach Hessen gekommen, um dort Asyl zu beantragen, waren aber entweder abgeschoben worden oder sind freiwillig wieder in den Balkan zurückgekehrt. Folkers besuchte auch Lager, in denen Roma unter ärmlichen Verhältnissen leben müssen. Sie berichtete von den schwierigen Bedingungen und der Diskriminierung, unter denen diese Volksgruppe zu leiden hat. Folgen davon sind große Armut, Arbeitslosigkeit, Gewalterfahrungen vor allem von Frauen, Perspektivlosigkeit und eine schlechte medizinische Versorgung. Auch zu humanitären Organisationen in Serbien und im Kosovo, die Projekte für Roma-Familien und besonders auch für die Kinder anbieten, nahm Hilke Folkers Kontakt auf.

In der anschließenden Diskussion wurde nachgefragt, ob die Roma nun aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, oder eine "Gruppenverfolgung" vorliegt, die als Asylgrund anerkannt werden sollte. Da alle Länder des Westbalkan inzwischen zu "sicheren Herkunftsländern" erklärt wurden, haben Flüchtlinge aus dieser Region so gut wie keine Chance mehr auf ein Bleiberecht in Deutschland. Aufgrund der jahrhundertelangen Diskriminierung und Verfolgung der Roma, die leider in ganz Osteuropa dramatisch zunimmt, ist die Definition "sicheres Herkunftsland" für diese Minderheit durchaus nicht zutreffend.

In diesem Zusammenhang sei es aber auch wichtig, vor Ort Lösungen zu finden und die Ausreise als Deutschland nicht als "die" Lösung für alle Roma zu sehen. Dabei wurde auch der Punkt "Arbeitsmigration", als Option erwähnt, die für Menschen im Balkan im Moment auf legalem Weg nur schwer realisiert werden kann, da die bürokratischen Hürden sehr hoch seien. Zum Beispiel müsse man auf Termine bei der deutschen Botschaft oft bis zu einem Jahr warten. In der Teilnehmerrunde wurde auch diskutiert, inwieweit die Situation der Roma sich von der Situation der Gesamtbevölkerung vor Ort unterscheidet. Zusammenfassend gelang es der Veranstaltung, durch die persönlichen Eindrücke von Hilke Folkers sowie Erzählungen über Einzelschicksale bei den Besuchern ein Bewusstsein für die Situation der Roma in den Balkanländern zu entwickeln.